Auf ein Wort... zur Kirchenvorstandswahl

Kennen Sie das Spiel „Teekesselchen“ noch? Zu meiner Schulzeit war das Ratespiel sehr beliebt. Zwei Spieler denken sich einen Begriff mit unterschiedlichen Bedeutungen aus und bezeichnen ihn als Teekesselchen. Abwechselnd umschreiben sie ihr Teekesselchen dann durch je einen Hinweis. Die Gruppe soll nun erraten, welcher Begriff wohl dahinter steckt. So heißt es dann: Mein Teekesselchen kann leuchten. – Mein Teekesselchen kann man essen. Gemeint ist die Birne. Oder etwas anspruchsvoller: Mein Teekesselchen ist schmerzhaft. – Mein Teekesselchen ist süß und essbar. Gemeint ist der Bienenstich.

Die Bibel kennt den Begriff „Kirche“ nämlich so nicht. In unterschiedlichen Bildern spricht das Neue Testament immer von der Gemeinschaft: Menschen kommen zusammen, beten und hören auf Gottes Wort, was nicht folgenlos bleibt, sondern auf das Leben und den Alltag ausstrahlt. Menschen erfahren Gemeinschaft, trauern gemeinsam und finden in schweren Phasen des Lebens Halt. Sie setzen sich füreinander ein, nehmen Anteil am Leben des anderen und bringen ihre Fähigkeiten in die Gemeinschaft ein. Darüber hinaus wirken sie im Bereich der Bildung, ebenso durch soziale und diakonische Projekte in die Gesellschaft hinein. So steht die Kirche festgemauert und ist zugleich lebendig durch Menschen, die sich mit ihr verbunden fühlen. Kirche sind in erster Linie die Menschen.

Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen mit dem Release unserer Gemeindehomepage elf Menschen zu präsentieren, die sich besonders mit der Kirche verbunden fühlen und für den Kirchenvorstand kandidieren. Am 21. Oktober wählen Sie unseren neuen Kirchenvorstand. Bitte unterstützen Sie unsere Kandidaten und stärken Sie durch Ihre Stimme und Ihr Interesse unser Gemeindeleben vor Ort. Denn auch Sie sind Kirche!

Herzliche Grüße - Ihr Tilman Schneider

Sicher fallen Ihnen weitere Teekesselchen ein. Im Internet finden sich mittlerweile ganze Listen, dazu Tipps und Hinweise sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Ein Teekesselchen habe ich in den vielen Listen und Blogs allerdings nicht gefunden. Es ist groß und hat einen Turm. Es ist eine Organisation mit vielen Beschäftigten. In fast jedem Ort kann man dieses Teekesselchen sehen. Mein Teekesselchen ist eine Gemeinschaft aus unterschiedlichen Menschen. Na, kommen Sie drauf? – Mit dem Wort „Kirche“ ist zuerst oft das Gebäude gemeint, die Christuskirche in Arnstein oder St. Georg in Thüngen. Zugleich denken Menschen oft an Kirchenleute, an Pfarrer oder Bischöfe, wenn sie von „der Kirche“ sprechen. Schon Martin Luther beklagte, dass die Menschen seiner Zeit die Kirche vor allem als Gebäude oder als sakrale Institution verstanden, die sich insbesondere im Papst, den Bischöfen und Priestern manifestierte. Demgegenüber stellte Luther die Kirche als Gemeinschaft und Versammlung aller Glaubenden. Er bedauerte, dass dieses wahre Verständnis von Kirche verschüttet war. Das Gebäude der Kirche, so Luther, soll uns immer wieder daran erinnern, dass die Glaubenden eigentlich die Kirche Gottes sind.